Stellungnahme zur Verleumdungskampagne der Bild-Zeitung

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Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Begnadenden

„Sie wollen Gottes Licht durch ihre Münder auslöschen. Doch Gott wird sein Licht vollenden, auch wenn es den (Wahrheits-)Verdeckern zuwider ist.“ (Heiliger Quran, Sura as-Saff, 61:8)

Bezugnehmend auf den Artikel „Knallhart-Mullah bei Gabriels Friedenskonferenz“ der Bild-Zeitung vom 28.05.2017 nehmen wir wie folgt Stellung:

i.   Wir distanzieren uns vom Hass und der Feindseligkeit, die dieser Tage mit dem geehrten Direktor unserer theologischen Hochschule, Dr. Hamdireza Torabi, in Verbindung gebracht wurden. Seit Jahren lehrt er uns als seine Studenten die Lektion der Liebe. Er lehrte uns, dass der Islam der Verbreitung der göttlichen Gnade dient und dass alle Religionen, sei es nun das Judentum, das Christentum oder der Islam, Botschafter der Liebe Gottes an die Menschen sind. Der Hass rührt aus der Ignoranz und dem Extremismus her, wohingegen die großen Propheten Botschafter der Spiritualität waren und das strahlende Sinnbild für die Erkenntnis, Vernunft und Ausgeglichenheit darstellen. Wir wundern uns über diejenigen, die seiner Teilnahme an der Konferenz „Friedensverantwortung der Religionen” mit Hass, Feindseligkeit und Verleumdung begegneten sowie dem Auswärtigen Amt als Organisator Probleme bereiteten und dadurch das eigentliche Thema, welches allen am Herzen liegt, an den Rand drängten.

ii.    Diejenigen, die mit den Religionen vertraut sind, wissen nur zu gut, dass die abrahamitischen Religionen dieselbe Wurzel teilen. Deshalb verkünden wir unmissverständlich, dass unser Dozent nicht nur nicht gegen Juden ist, sondern die Überzeugung vertritt, dass genauso wie die Muslime einander Geschwister sind, Juden, Christen und Muslime die religiösen Familienangehörigen voneinander darstellen und als einander Cousins gelten. Wir vertreten die Überzeugung, die er uns gegenüber stets vertreten hat, nämlich dass alle Menschen, gleich welcher Kultur sie angehören mögen, allesamt vom Stamme Adams und Evas sind und derselben großen Familie angehören – eine Familie, die die Lektion der Toleranz und Nächstenliebe noch reichlich üben muss.

iii.    Aus der Sicht des heiligen Qur’an ist jegliche ethnische oder religiöse Diskriminierung und die Respektlosigkeit gegenüber den göttlichen Propheten sowie ihren rechtschaffenen Anhängern nicht gestattet. Gewalt und Unrecht stellen Übel dar, unabhängig davon, von wem sie ausgehen. Ein religiöser Deckmantel führt gewiss nicht zur Immunität des gewalttätigen Unterdrückers. So spricht der heilige Qur’an über die Rechtschaffenen unter den Kindern Israels: „O ihr Kinder Israels, gedenket meiner Gnade, mit der Ich euch begnadet habe, und dass Ich euch vor den Weltenbewohnern bevorzugt habe.“ (Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah, 2:47) Auf der anderen Seite spricht er über die Tyrannen unter ihnen: „Und über sie wurden Erniedrigung und Elend gelegt.“ (Heiliger Qur’an, Sura al-Baqarah, 2:61)

iv.    Der Islam ist die Religion des Friedens und fordert diese für alle Menschen ein. Als Anhänger dieser abrahamitischen Religion ist die Verbundenheit zum und der Einsatz für den Frieden als eine religiöse und menschliche Pflicht selbstredend. Die Teilnahme unseres Direktors als herausragender Experte der Islamischen Theologie und Leiter einer entsprechenden Hochschule in Hamburg an der Konferenz „Friedensverantwortung der Religionen” ist in diesem Lichte zu betrachten.

v.    Kräfte, die den Frieden stören und bestrebt sind unter den Menschen Unruhe und Verunsicherung zu stiften, verdienen die entschiedene Verurteilung eines jeden rationalen Menschen. Dazu zählt explizit die Bild-Zeitung, die sich seit ihrer Gründung als Sinnbild eines unseriösen Journalismus präsentiert hat und als Schmierblatt wahrgenommen wird. Diese Einschätzung wird im o. g. Artikel durch eine einseitige Berichterstattung, gestützt auf dubiosen Quellen, erneut unter Beweis gestellt.

vi.    Die fortwährenden Aggressionen Israels gegen das palästinensische Volk und die expandierende Besetzung ihrer Heimat durch zionistische Siedler zählen weiterhin zu den untragbaren Zuständen unserer Zeit. Das Ende dieses Unrechts ist das Anliegen der Teilnehmer an den Demonstrationen zum internationalen Quds-Tag, welcher inzwischen seit beinahe vier Jahrzehnten im Einklang mit dem Grundgesetz und in enger Kooperation mit den staatlichen Behörden friedfertig in Deutschland begangen wird. Er ist ein Einsatz für Menschenrechte, Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung sowie gegen die Apartheid, Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt. In diesem Sinne nahmen wir im letzten Jahr erstmalig mit Dr. Hamidreza Torabi auf eigene Initiative Hand in Hand mit jüdischen Rabbinern und einem christlichen Priester an dieser Demonstration teil, an der wir den Antisemitismus gleich dem Zionismus verurteilten. Wir erklären unmissverständlich, dass solange der Mord an Kindern fortgeführt wird und Häuser zerstört werden, der Quds-Tag stattfindet und solange es den Quds-Tag gibt, werden wir auch weiterhin daran teilnehmen und Schulter an Schulter zu Muslimen, Juden, Christen und allen Freiheitsliebenden stehen, die sich gegen das Unrecht erheben.

vii.    Diejenigen, die versuchen jedwede Israel- und Zionismus-Kritik mit Antisemitismus gleichzusetzen, wie es der amtierende Botschafter Israels in Deutschland im o. g. Artikel getan hat, gelten als Mittäter der Extremisten. Durch ihren Beitrag fördern sie die fortwährenden Aggressionen gegen wehrlose Menschen und unterstützen den Raub ihrer Heimat. Sie stellen eine ernsthafte Gefahr für den Frieden und die Menschenwürde dar, die eine entschlossene Brandmarkung erfordert. Die Verbrechen gegen die Menschheit, mit denen sich Israel an der wehrlosen Zivilbevölkerung Palästinas und insbesondere an Frauen und Kindern versündigt hat, wurden trotz der üblichen Einsprüche der USA seitens der internationalen Gemeinschaft verurteilt. Israel wird international als ein Apartheid-Regime wahrgenommen, welches vor einigen Wochen erst in einem einschlägigen UN-Bericht bestätigt wurde.

viii.    Sind die ständigen Verbrechen Israels, die seitens internationaler Menschenrechtsorganisationen angeprangert und zuhauf verurteilt wurden etwa mit den weisen Lehren von Moses und den großen Propheten des jüdischen Volkes vereinbar? Gewiss nicht. Wie kann man nur die Ermordung von Kindern, die Zerstörung von Häusern, die Plünderung von Eigentum, die Apartheid unter den Menschen, die Belagerung von Wehrlosen und die Blockade der Lebensmittel- und Medizinzufuhr an Frauen und Kindern, welche in Palästina zur Normalität geworden sind, sehen und still sein? Gewiss muss zwischen einem Verbrecher und einem rechtschaffenen Anhänger einer Religion oder einem normalen Menschen eine Differenzierung erfolgen. Diejenigen, die mit der Religion vertraut sind, wissen, dass es keine rationale Verbindung zwischen der Religion und einem unmenschlichen Verhalten gibt. Genauso wie man die Taten von extremistischen Gruppierungen wie dem IS nicht mit dem Islam in Verbindung bringen kann, kann man auch die verbrecherischen Handlungen einiger politischer Strömungen nicht dem Judentum zuschreiben. Wer die Ablehnung von verbrecherischen Handlungen einer nationalistischen Regierung als Antisemitismus verklärt, hat ein großes Unrecht gegenüber der Religion des Propheten Moses begangen, da er diese Verbrechen dadurch dem Judentum zuschreibt.

ix.    Die im Artikel erhobenen Vorwürfe gegen Herrn Dr. Seyed Abdolhassan Navab, Direktor der Universität der Religionen und Denominationen, sowie gegen die Al-Mustafa-Universität entbehren jedweder Grundlage. Die Al-Mustafa-Universität ist eine renommierte Hochschule der Islamischen Theologie, die jährlich tausende angesehene Akademiker und Wissenschaftler hervorbringt, die die Speerspitze gegen den Extremismus bilden und Bannerträger der Mäßigung und des Ausgleichs sind. Auch die Universität der Religionen und Denominationen, die seit Jahren Partnerschaftsabkommen mit mehreren staatlichen Universitäten in Deutschland aufrechterhält, verfügt unter den hiesigen Wissenschaftlern und Studenten über einen exzellenten Ruf als hochgeschätzter Kooperationspartner in der Bildung und Forschung sowie im Dialog.

Unter Betrachtung der Gesamtheit der aufgeführten Punkte bleibt abschließend festzustellen, dass sich der o. g. Artikel der Bild-Zeitung nahtlos in ihre gelenkte Verleumdungskampagne gegen den Islam und die menschlichen Werte einreiht. Freiheitsliebende und Muslime, die sich dieser Tage im Monat Ramadan im ständigen Gottesdienst befinden und nach der Stärkung ihrer Beziehung zu Gott streben, werden sich dadurch nicht beirren lassen und weiterhin voller Eifer und Tatendrang ihren Einsatz für die Verteidigung der Wahrheit und der menschlichen Werte fortführen.
Gerade der heilige Monat Ramadan stellt im besonderen Maße eine Zeit der Besinnung, Einkehr und des Friedens dar. In dieser heiligen Zeit erbeten wir beim gnädigen Gott die Glückseligkeit für alle Menschen und hoffen inständig, dass wir alle alsbald in einer Welt voller Frieden, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Freiheit leben mögen. Dafür stehen wir ein.

Theologie-Studenten der Islamischen Akademie Deutschland
Hamburg, 31. Mai 2017

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Islamisches Erwachen

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