Stellungnahme des Freitagsimams von Hamburg zum Todesurteil für Ayatollah Muhammad Baqir al-Nimr

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Der Freitagsimam Hamburgs und Präsident der Islamisch-Europäischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen verurteilte in seiner Freitagspredigt vom 30. Oktober 2015 das unmenschliche Urteil des Saudi-Regimes gegen den islamischen Gelehrten Ayatollah Muhammad Baqir al-Nimr und die dahingehende Verstummung der globalen Massenmedien. Ayatollah Ramezani, der seine Freitagspredigten den Menschenrechten widmet, veröffentlichte folgende Stellungnahme:

Ayatollah Dr. Reza Ramezani

Leider wird der Mensch heutzutage immer häufiger Zeuge dessen, dass die Angelegenheiten in der Welt auf den Kopf gestellt werden. Vor einiger Zeit wurde in Saudi-Arabien ein Blogger namens Raif Badawi, der in seinen Artikeln über die Trennung von Religion und Politik gesprochen hat, aufgrund des Straftatbestands der Schmähung von religiösen Heiligkeiten verhaftet, für schuldig befunden und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Kurz darauf wurde diese Person als Menschenrechtsaktivist und Vorkämpfer der Meinungs- und Redefreiheit vom europäischen Parlament als Gewinner des Sacharow-Preises gewürdigt. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, forderte in seiner Rede zur Vorstellung des diesjährigen Gewinners vom König Saudi-Arabiens die schnellstmögliche Freilassung dieses inhaftierten Bloggers.

Auf der anderen Seite wird dort ein religiöser Gelehrter, der entsprechend seiner religiösen Verantwortung gehandelt und von eben jenem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und sich für die Menschenrechte eingesetzt hat, nach seiner Inhaftierung zum Tode verurteilt. Interessant ist auch, dass die globalen Massenmedien und diejenigen, die vorgeben für die Menschenrechte einzustehen, hinsichtlich dieses Urteils vollkommen verstummt sind und nicht einmal die Stellungnahmen der großen islamischen Persönlichkeiten zur Verteidigung dieses tapferen Gelehrten widerspiegeln. Ayatollah Muhammad Baqir al-Nimr, der zu den großen und herausragenden islamischen Gelehrten zählt, befindet sich heute leider in schlechtestem Zustand in Haft. Ein Gelehrter, dessen Sorgen die Religion und Rechtleitung der Menschen sowie der Widerstand gegen die Unterdrückung und Ausbeutung sind, wird derart gepeinigt. Die Verantwortlichen Saudi-Arabiens sollten wissen, dass die Umsetzung dieses Urteils gewiss zu schwerwiegenden Konsequenzen für diejenigen führen wird, die derart ungerechte Urteile fällen und umsetzen und dass die Freiheitsliebenden dieser Welt nicht still sein werden.

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Über den Autor

Ayatollah Dr. Reza Ramezani wurde 1963 in der nordiranischen Stadt Rascht geboren, wo er auch seine reguläre Schulausbildung mit dem Abitur abschloss. Parallel dazu besuchte er aufgrund seines ausgeprägten Interesses an theologischen Fragestellungen den Unterricht von renommierten Theologen und Rechtsgelehrten an der dortigen Islamisch-Theologischen Hochschule. 1983 setzte er seine Studien der Islamischen Wissenschaften in Maschhad bei großen Gelehrten und dem bekannten Philosophen Aschtiani fort und schloss das Hauptstudium erfolgreich ab. Die islamische Rechtswissenschaft studierte er u.a. bei Ayatollah Fazel Lankarani, Ayatollah Bahjat, Ayatollah Naser Makarem Shirazi, Ayatollah Khorasani und Ayatollah Sobhani. In den Bereichen Exegese, Philosophie und Gnostik zählten u.a. Ayatollah Javadi Amoli und Ayatollah Hassanzadeh Amoli zu seinen Lehrern. 1994 schloss er seine Studien zum Theologen und Rechtsgelehrten mit der Promotion ab. Gleichzeitig lehrte Ayatollah Dr. Ramezani von 1982-2001 u.a. Literatur, Logik, Exegese, Philosophie, Recht, Ethik und Gnosis an verschiedenen Hochschulen in Rascht, Maschhad und Qum. In den Jahren 2001-2005 war er der Freitags-Imam in Karadsch. Darüber hinaus fungierte Ayatollah Dr. Ramezani als Experte für Ethik und Bildung im Rundfunksender "Ma‘arif" und als Mitglied der Arbeitsgruppe für Theologie und Philosophie der Qur‘an-Enzyklopädie. Fünf Jahre lang beaufsichtigte er die Prüfung von Lehrbüchern der Islamisch-Theologischen Hochschule in Qum. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des Instituts für Religion und Ethik in Qum. Im Jahre 2006 übernahm er ferner die Leitung des Islamischen Zentrums Imam Ali in Wien. Er betreute eine Vielzahl von wissenschaftlichen Abhandlungen und Dissertationen. Seit April 2009 ist er Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg. Zudem ist Ayatollah Dr. Ramezani Mitglied in der Expertenverammlung in der Islamischen Republik Iran.

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