Sind Islam und politischer Islam voneinander zu trennen?

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Es gibt eine Gruppe von Menschen, die die Position vertreten, dass die Trennung von Religion und Staat das richtige Konzept sei, um die Neutralität des Staates gegenüber den Anhängern der verschiedenen Religionen im Inland gewährleisten zu können sowie einen Missbrauch der Religion durch die Politik zu vermeiden. Einige führen darüber hinaus an, dass dadurch religiös begründete Gewalt und Kriege unterbunden werden können.

In diese Kerbe schlug jüngst auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). „Wir werden klare Grenzen ziehen und den politischen Islam mit allen Mitteln des Rechtsstaates bekämpfen“, so Seehofer. Weiterhin fügte er standardisiert hinzu: „Der Islam ist für uns kein Feindbild. In Bayern und Deutschland gibt es kein Problem mit „dem“ Islam, sondern mit Fundamentalisten oder Terroristen, die diese Religion missbrauchen.“

Für diese Personen hat die Religion eindeutig keinen Platz in der Öffentlichkeit, sondern gehört ausschließlich in den Bereich der privaten und persönlichen Ebene in eine einsame und verwaiste Ecke gestellt. Wohingegen Politik, Kultur oder Wirtschaft durch Personen gestaltet und verwaltet werden sollen, die nach dem liberal-kapitalistischen Wertekanon leben. Per se unterstellen Personen wie Seehofer dadurch, dass nur Fundamentalisten und Terroristen religiöse Politik betreiben könnten, diese nur in Terror und Katastrophen münden könne und die Religion missbraucht werde. Aus dieser Position heraus erklären sie, wie jüngst Seehofer, dem politischen Islam den Krieg und fordern insbesondere von den Muslimen sich ihnen anzuschließen und zu säkularisieren. Doch ist eine Trennung zwischen Islam und politischem Islam überhaupt möglich?

Ein kurzer Blick auf das Leben des Propheten des Islam beantwortet diese Frage mit Leichtigkeit. Als seine Exzellenz im Alter von 40 Jahren zum Propheten berufen wurde und ihm vonseiten des gnädigen Gottes der Verkündigungsauftrag übermittelt wurde, machte er sich in der von Polytheisten beherrschten Stadt Mekka dazu auf die Menschen über die islamischen Lehren zu unterrichten, sodass sie selbst in Freiheit wählen können, ob sie weiterhin entsprechend ihrem bisherigen Lebensstil leben möchten oder den neuen islamischen Wertekanon an dessen Stelle treten lassen. Aufgrund der vorbildlichen Existenz des Gesandten Gottes verbreitete sich der Islam innerhalb kürzester Zeit und bedrohte die polytheistische Grundordnung, da darin bestehende Elemente wie die Apartheid, Sklaverei oder Ausbeutung vom Islam und den neuen Muslimen abgelehnt und nun nicht mehr mitgetragen wurden. Dies rief die damaligen Herrscher auf den Plan, sodass sie nach anfänglichem Boykott und dem totalen Embargo gegen die Muslime beschlossen, den Propheten Muhammad, der Friede Gottes sei mit ihm und seiner Familie, zu ermorden, welches letztendlich zur Auswanderung seiner Exzellenz in das heutige Medina und der Gründung des ersten islamischen Staates im weiteren Verlauf führte.

Wir schlussfolgern, dass die Probleme und Schwierigkeiten der Muslime in Mekka und die Auswanderung des Gesandten Gottes nur bestanden haben, weil die Verkündigungsbotschaften des Propheten Muhammad eben keine rein privaten, sondern gesellschaftliche und öffentliche Dimensionen beinhalteten, die von den Menschen mit offenen Armen willkommen geheißen wurden und anstelle des bis dahin waltenden Wertekanons traten.

Gemäß der islamischen Grundordnung ist die Würde des Menschen, gleich ob Mann oder Frau, gleich welcher Rasse und Nation, unantastbar. Da Gott, der Erhabene, weise ist und nur das Gute für seine Schöpfung möchte, sind folglich die in der heiligen Scharia befindlichen Gesetze und Gebote nur zum Guten des Menschen und dienen der Entfaltung der menschlichen Potentiale. Wie schon zu Zeiten des Gottesgesandten, obliegt der Führungsauftrag der muslimischen Gemeinschaft der Person, der dem prophetischen Vorbild am nächsten ist. Durch die glorreiche Islamische Revolution von 1979 in Iran wurde im Rahmen der Islamischen Republik eine solche Grundordnung etabliert, die sich seither ununterbrochen den Anfeindungen und Verleumdungen der heutigen Ausbeuter und Unterdrücker entgegensieht und doch fortentwickelt.

Wir kommen zum Ergebnis, dass der Verkündigungsauftrag des islamischen Propheten universale Lehren enthielt, die für alle Lebensbereiche des Menschen und der Gesellschaft Botschaften aufweisen, die der Entfaltung des menschlichen Potentials dienen. Eine Trennung zwischen Islam und politischem Islam ist daher unmöglich und kann von keinem Muslim, anders als vom bayerischen Ministerpräsidenten verlangt, vertreten werden.

Doch Horst Seehofer begnügte sich nicht mit seiner offenkundigen Kriegserklärung. Ferner äußerte er, dass wer in Bayern leben wolle, sich uneingeschränkt zum christlich- jüdisch geprägten Wertefundament, dem abendländischen Erbe von Humanismus und Aufklärung sowie zur offenen und freiheitlichen Gesellschafts- und Rechtsordnung bekennen müsse. „Wir geben keinen Rabatt, wenn es zum Konflikt mit unserer Leitkultur kommt“, so Seehofer.

Hierbei sei angemerkt, dass die Muslime keinen Rabatt kennen, wenn es zum Konflikt mit der islamischen Kultur kommt. Es wird keine Retorten-Muslime bayerischer Produktion geben. Der Islam und die Muslime sind mittlerweile ein integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft, die die Zukunft dieses Landes maßgeblich mitbestimmen und zunehmend prägen werden. Sie leben auf Basis der deutschen Grundordnung und erkennen das Recht des Volkes auf Selbstbestimmung an. Sie sind offen für den gleichberechtigten Dialog und bekennen sich zu einem friedlichen und harmonischen Leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Sie begrüßen die Gesetzestreue und lehnen entschieden Korruption, Missbrauch, Ungerechtigkeit, Apartheid und Lobbyismus ab. Sie rufen die Menschen zur Gottesehrfurcht und der Vernunft auf und treten entschieden gegen den Wahnsinn, die Verschwendung und Maßlosigkeit ein.

„In Bayern gibt es keinen Raum für Hass, Gewalt oder Intoleranz“, so der bayerische Ministerpräsident. Die Muslime nehmen Horst Seehofer beim Wort und fordern seine Abschiebung aus Bayern.

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Mehdi Kazemi

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