Das Fiasko von Delmenhorst

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Einer der zentralen Punkte, die Imam Khamenei in seinem zweiten Brief an die Jugend im Westen aufführt, stellt die Widersprüchlichkeit in der westlichen Politik dar. Dass der Westen auf der einen Seite Förderer des Terrorismus, wie bspw. das saudische Regime als Verbündete betrachtet und sich gleichzeitig als Oberlehrer der Menschenrechte aufspielt, ist ein offenkundiges Beispiel für diese Widersprüchlichkeit auf internationaler Ebene. Doch finden sich auch kommunal betrachtet unzählige Fälle dieser Doppelmoral, wie aktuell im überschaubaren Delmenhorst bei Bremen.

Plakat über Imam Khameneis Brief an die westliche Jugend in Delmenhorst

Plakat über Imam Khameneis Brief an die westliche Jugend in Delmenhorst

Am 30. Dezember 2015 wurde zum ersten Mal in einer deutschen Stadt ein Plakat zum zweiten Brief Imam Khameneis an die Jugend im Westen angebracht. Einige Delmenhorster Muslime vereinbarten vertraglich mit der L&P Mediaservice GmbH aus Berlin, dass das Plakat bis zum 11. Januar 2016 an einer für Delmenhorster Verhältnisse belebten Straße angebracht wird. Dieses von einigen engagierten Delmenhorster Muslimen initiierte historische Projekt schlug bereits einige Stunden nach seinem Start national wie international hohe Wellen. So berichteten u.a. Nachrichtenagenturen aus der Islamischen Republik Iran über das Plakat und sorgten dafür, dass auch andere Menschen als Delmenhorster etwas über Delmenhorst erfahren. Aus dem gesamten Bundesgebiet reisten Menschen in die Stadt, die irgendwo zwischen Bielefeld und dem Nichts liegt, um ein Selfie von sich mit dieser einzigartigen Sehenswürdigkeit zu schießen.

Das mit Farbbeuteln beschmutzte Plakat

Das mit Farbbeuteln beschmutzte Plakat

Doch der jüdischen Gemeinde der Stadt und einigen lokalen Medien und Politikern wurde es wohl zu voll in ihrem sonst menschenleeren Ort, sodass sie versuchten eine negative Propagandaschlacht gegen das Plakat zu führen. An vorderster Front machte OB Axel Jahnz gegen das Plakat mobil und kündigte an, auf das verantwortliche Reklameunternehmen einzuwirken, um für eine Entfernung zu Sorgen. Er lehne “solche gesteuerten Aktionen strickt ab”, so Jahnz vorwurfsvoll ohne zu konkretisieren, wer da von wem zu welchem Zweck gesteuert wurde. Es sei angemerkt, dass Axel Jahnz der Oberbürgermeister der Stadt Delmenhorst in Deutschland ist und keiner Stadt in Nordkorea oder Saudi-Arabien, falls bei dem einen oder anderen Unklarheiten diesbezüglich entstanden sein sollten.

Bereits am ersten Tag nach den Berichten in der Lokalpresse wurde die einzig wirkliche Sehenswürdigkeit der Stadt mit Farbbeuteln beschmutzt vorgefunden. Allerdings kann man auch hier nur mutmaßen, wer von wem gesteuert wurde, um diese Aktion auszuführen. Jedenfalls wurde es bereits wenige Stunden später von der Verwaltung mit einem Ersatzplakat überklebt. Was bleibt, ist der Erweis, dass der Westen selbst in einer Provinzstadt nicht über das Fassungsvermögen verfügt für einige Tage ein Plakat von Imam Khamenei mit einem einzigen Zitat aus seinem zweiten Brief auszuhalten. Doch die Widersprüchlichkeit findet nicht hier ihr Ende. So mag sich der eine oder andere Bürger gefragt haben, weshalb er erst durch dieses Plakat von dem Brief Imam Khameneis erfahren musste. Warum war dieser Brief, der als Reaktion auf die Pariser Anschläge vom Oberhaupt der Muslime auf der Welt verfasst wurde und sich explizit an die Jugend im Westen richtet, keiner einzigen deutschen Nachrichtenagentur eine Meldung wert? Etwa aufgrund mangelnder Relevanz?

Überklebtes Plakat, 06. Januar 2016

Überklebtes Plakat, 06. Januar 2016

Es bleibt festzuhalten, dass die Widersprüchlichkeit der westlichen Politik u.a. für die Pariser Anschläge verantwortlich ist. Diese veranlassten Imam Khamenei einen Brief an die westliche Jugend zu verfassen. Der Boykott des Briefes führte dazu, dass als Reaktion das Projekt mit dem Plakat in Delmenhorst überhaupt initiiert wurde. Die Überklebung des Plakats wird wiederum zu Reaktionen führen, die das Fiasko für die westliche Welt vertiefen und genau die gegenteilige Wirkung ihrer Bemühungen zur Folge haben werden. Denn noch mehr Menschen werden trotz des Boykotts von diesem Brief erfahren. Und Du kannst Teil dieser Reaktion sein. Wie wirst Du reagieren?

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